Das Nibelungenlied
Im 19ten Jahrhundert wurde das Nibelungenlied in der Überstzung von Karl Simmrock, dem Bonner Professor für Altphilologie, zu einer Art identitätspendendem Volksepos in Deutschland, vielleicht auch mit ein Grund, der es Simrock ermöglichte die Größen seiner Zeit aus den Geisteswissenschaften und aus dem Musikleben hier am Menzenberg zu fröhlichen Runden beim Wein oder zu musikalischen Events, wie es heute heißt, zu vereinen. Nicht nur Brahms war mehrfach hier, auch die Grimms kamen regelmäßig.
Der Amerikaner Hansen, der die Frage nach den deutschen Helden stellt schreibt zu dem großen Helden im Nibelungenlied, zu Siegfried: "Bei uns zu Hause haben wir ein altes Sprichwort: Zeig mit deine Helden und ich sage dir, wer du bist. Also ging ich nach Xanten, dem putzigen Geburtsort Sigfrieds am Rhein und fragte in diversen Straßencafés nach deutschen Helden. Stets kam wie aus der Pistole geschossen, "Wir haben keine Helden! Nicht Sigfried und sonst auch niemanden!" und dann etwa noch "Außer Winnetou natürlich" was dann aber nicht so als ernst gemeint dargestellt wird, obwohl mehr dahintersteckt. Hansen schreibt dazu: "Interessanterweise wurden Siegfried und Winnetou beide im 19ten Jahrhunder zu Ikonen - zu einer Zeit, als Deutschland mal wieder nach seiner Identität suchte."
"Siegfried wurde zuerst von den Romantikern hervorgekramt, kurz nachdem Napoleon ungehindert durch Deutschland marschiert ist, und zuletzt von den Nazis verehrt" übeln. Ich kann ihn mir gut als Brad Pitt vorstellen, mit einem unschlagbaren Lächeln und so einer Art zu schlendern, die einfach sexy ist. Es stimmt schon, dass wir Amerikaner seit Vietnam- und neuerdings wieder seit Irak - wissen, dass jeder Siegfried irgendwo eine verletzliche Stelle hat. Ist uns aber egal. Dieses Lächeln ist einfach sexy."
"Die Brüder Grimm suchten die Identität vor allem in der Sprache." Helden sind in Deutschland anscheinend nicht gefragt, es sei denn so Hansen, Winnetou ist ein Held, ein literarischer Held der Deutschen. Und einer der Kummulationspunkte für eine identitätsstiftende Literatur war sicherlich der Menzenberg, an dem sich die Grimms, die Goethes und verschiedene Musiker seiner Zeit, wie Brahms, regelmäßig trafen. Hansen beschreibt diesen Ort am Menzenberg: " Am Ende einer steilen, von Bäumen gesäumten Straße hoch über dem Rhein steht ein zweistöckiges Haus, das im spätklasizistischen Stil auf dem Gewölbe einer uralten Kellerei der Minoriten gebaut wurde. Die Villa heißt Haus Parzival. Hier hat der Germanist, Überstzer, Dichter und Vollblutromantiker Karl Simrock seine Sommer verbracht. Simrock hatte bei Schlegel und Arndt studiert, empfing ab und zu Besuche von den Grimms und Ludwig Uhland....Sein größtes Verdienst war, das Nibelungenlied mit einer schwungvollen und lesbaren Übersetzung populär zu machen!"


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